Freitag, 16. Mai 2014

CDT'14 Fotostrecke #2

Silver City (05/02) - Grants (05/14)


















Happy Trails :-)

Zur wohlverdienten Pause

Pie Town (325mi) - Grants (403mi/645km)

Wie gesagt, Pie Town war ein netter Zwischenstop, doch ich hatte andere Pläne für meinen ersten Zero-Tag!

Nita gab mir den Rat, in der Früh nicht zu pünktlich beim Postamt zu erscheinen, damit die nette Postbeamtin nicht zu viel Stress bekommt, wenn sie noch beim Sortieren der Briefe ist. So schnappte ich mir erst gegen 9 Uhr mein viel zu großes Fresspaket für 3,5 Tage und suchte das Weite.

Und endlose Weite prägte auch den Tag hinaus aus Pie Town. Die Schotterstrasse war eben, der Wind kam von hinten und mit der passenden Musik schaffte ich meinen ersten 30mi-Tag (48km).

Die folgende Nacht war erneut sehr frostig und ich bald froh wieder durch Bewegung Wärme in meinen Körper zu bekommen.
Die Wassersuche stellte sich am zweiten Tag als besonders schwierig heraus, denn die angepeilten Windmühlen waren ausser Betrieb und die verdreckte und vor allem ölige Brühe zum ersten Mal wirklich nicht zu gebrauchen.
Da es jedoch wirklich kühl war (hatte sogar für 2 Minuten ein paar Schneeflocken), machte ich mir keine Sorgen und überbrückte die ersten 26mi(!) mit nur 2 Litern, die noch vom Vortag hatte.
Höhepunkt des Tages war dann der kurze Trail über die beeindruckende Felskante der "Narrows".

Der Abstieg war jedoch ein wenig eine Herausforderung! Plötzlich war der ansogst so eindeutige Weg nicht mehr vorhanden. Ich verließ mich auf meinen Instinkt und fand  Schritt für Schritt eine Lösung durch die Felsen und Bäume (Bild Mitte).
   
Danach war es nicht mehr weit zu einem Water-Cache der Trailangels Hugo&Carole Mumm aus Grants!
Da es schon spät wurde entschied ich mich anschließend, auf der Strasse weiter zu marschieren anstatt eine extrem schroffe Passage durch ein wildes Lavafeld zu nehmen. Somit verkürzte sich meine Gesamtdistanz um ca. 10mi und die dadurch entstandene Motivation brachte mir erneut eine Tagesleistung von mehr als 30 Meilen.
100km in zwei Tagen... ich würde sagen, meine Füsse sind eingelaufen!!!

Als Belohnung gab es noch einen Traumhaften Blick auf Mt. Taylor - jene 3.446m, die nach Grants besteigen werde! 

Mittlerweile habe ich meinen ersten und auch gleich zweiten Ruhetag in Grants hinter mir... 48 Stunden voller Entspannung, Fussbädern und Essen!
In Colorado hat die Schneeschmelze noch nicht wirklich viel erledigt und somit habe ich keine Eile in die Berge zu gelangen. Wahrscheinlich werde ich in den kommenden Zwischenstops weitere Ruhetage einlegen und auf wärmeres Wetter warten.

Eine Entscheidung ist bereits gefallen:
Mein neuer Schlafsack der Firma ZPacks wird in der nächsten Stadt ersetzt, ich habe mir mein bewährtes PCT-Model von Western Mountaineering online bestellt.
Ich war noch nie ein kalter Schläfer, doch die letzten 10 Tage mit permanentem Frost waren nicht erholsam!
In Colorado werde ich mich fast immer über 3.000m  befinden und muss mich auf meinen Schlafsack verlassen können.

In 5 Tagen werde ich in Cuba sein und weitere 2 Tage später in Ghost Ranche eine weitere Pause einlegen... bis dann!

Happy Trails :-)

Abenteuer Gila & Kältewelle

Doc Campbell's (195mi) - Pie Town (325mi/520km)

Wie ich ja bereits berichtet habe, wurde der Gila River letzten Jahres von einer schwer Flut heimgesucht. 
Die ersten 8 Meilen des Middle Fork sind praktisch nicht passierbar und so starteten wie unser Abenteuer über einen kleinen Neben-Canyon namens "Little Bear", womit 30 Meilen (48km) für die kommenden zwei Tage übrig blieben.
Da dies nicht einfach werden würde, wollte ich Energie sparen und entschloss mich kurzerhand die Sehenswürdigkeit "Cliff Dwellings" auszulassen, wofür ich einen weiteren Vormittag "opfern" und zusätzlich auf Asphalt laufen müsste. Die Gila Cliff Dwellings sind  Höhlenbauten der Ureinwohner aus dem 13 Jahrhundert ähnlich der Region um Mesa-Verde-N.P.
Für mich ein typisches Beispiel, dass der Trail immer Vorrang hat!!!

Kaum erreichten wir das Flussbett, waren wir von den Ausmassen des Canyon überwältigt! Gleichzeitig kam die Bestätigung, dass die kommenden Meilen kein Kinderspiel sein würden.




Einzige Entspannung boten die "Jordan Hot Springs", ein kleines künstlich aufgestautes Becken bei einer warmen Quelle - abgesehen von Doc Campbell's, die letzte im Middle Fork nach der Überschwemmung.



Wer findet Analog und Rattlebee im folgenden Bild am schnellsten?




Auch wenn die Belastung für die Füße enorm war, würde ich die 50km lange Strecke jeder Zeit wiederholen und den endlosen Strassen-Stunden vorziehen.

So schnell der Gila River vor unseren Augen aufgetaucht war, so schnell war er auch wieder verschwunden. Nun gab es wieder offenes Land, so fern man blicken konnte! Hinzu kam, dass die Temperatur merklich abkühlte und mir jetzt bis nach Grants jede Nacht Frost bescherte.

Habe ich eigentlich schon den Wind erwähnt? Ich glaub nicht... dabei ist er seit dem ersten Tag mein ständiger Begleiter. Zunächst noch als positive Abkühlung erwünscht, ist er in Kombination mit der Kältewelle eine wahre Qual geworden! 24 Stunden... Tag für Tag... meistens frontal ins Gesicht!

Zurück zur Wassersuche...
Nach dem tollen Versorgung mit Water-Caches in der ersten Woche und dem Gila River im Anschluss begann nun die Herausforderung mit den nicht so tollen Wasserquellen. Eigentlich gab es nicht viel mehr als die dreckigen Pfützen, die man sich mit den Kühen der jeweiligen Farmer teilen musste. Gutes Wasser definierte sich dadurch, dass man den Grund der Pfütze noch erahnen konnte. Mein Vertrauen ruht zu 100% auf dem Sawer Wasserfilter, der mich bereits am PCT begleitete. Das Wasser schmeckt neutral und ist glasklar auch wenn zuvor noch der Kuhdreck darin geschwommen ist. Nach über 10 Tagen Dauerbelastung gehe ich davon aus, dass der Filter funktioniert!!!



Durchgefroren und müde kam ich dann irgendwann einmal in der wirklich kleinen Kleinstadt Pie Town an, die eigentlich nur aus ein paar Häusern, zwei Restaurants und einem Postamt besteht... eine kleine Westernstadt eben, die gerade so überlebt hat.
Ein etwas in die Jahre gekommenen Haus steht jedem individual Reisenden frei zur Verfügung, egal ob zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Motorrad. Die Besitzerin Nita kommt immer wieder mal vorbei und freut sich über eine kleine Spende.



Ganz nett aber für mich eindeutig zu überfüllt und so ging es am nächsten Tag weiter Richtung Grants...

Happy Trails :-)

Donnerstag, 15. Mai 2014

Erste Schritte im Gila Canyon

Silver City (146mi) - Doc Campbell's (195mi/312km)

Seit Silver City ist viel passiert und ich versuche jetzt alles Schritt für Schritt in Worte und Bilder zu fassen...

Der Gila National Forest ist sicherlich eines der Highlights entlang des gesamten Weges und somit startete ich voller Vorfreude in diesen Abschnitt.

Der Weg raus aus Silver City war mühsam. Ich kam erst spät in die Gänge, da das Postamt samstags erst um 10 Uhr öffnet und ich somit von Anfang an in der Mittagshitze wandern musste. Ein unspektakulärer Tag fand ein interessantes Ende, als meine restliche Gruppe plötzlich an meinem Campingplatz vorbei zog, da ich doch die ganze Zeit dachte, hinter ihnen zu sein.

Am nächsten Morgen hatte ich sie alle schnell eingeholt und so ging es wieder gemeinsam Richtung Norden. Bald sahen wir den Gila River zum ersten Mal...

Nach einem brutal steilen Abstieg hinein in den Canyon war unser Wasserproblem mit einem Schlag verschwunden... traumhaft klares, kaltes Wasser... für die nächsten 5 Tage!

Wie ich soeben in den Nachrichten erfahren habe, ist nur wenige Tage nach uns in genau diesem  Gebiet der erste große Waldbrand dieses Jahres ausgebrochen und der Trail im Südlichen Teil des Gila Canyons gesperrt worden. Zum Glück betrifft es nicht mehr viele Wanderer, da die meisten bereits weiter nördlich unterwegs sind, doch ein Feuer so früh in der Saison ist doch außergewöhnlich... bedenkt man vor allem die ungewohnt kühlen Temperaturen.

Ab diesem Zeitpunkt gab es keine trockenen Füsse mehr!
Hier macht sich mein einfacherer Trail-Running-Schuh ohne Gore Tex so richtig bezahlt, denn in der Früh waren meine Schuhe stets trocken, auch wenn nur für ein paar Minuten.
In den kommenden Tagen sollte ich den Gila River weit mehr als 100 Mal queren!... so wie Pounce und Smiles

Kaum fassbar, dass diese Wildnis in New Mexico liegt - die Erinnerungen an die pure Wüste keine  3 Tage alt.

Ein kleines Zwischenziel bietet "Doc Campbell's"... ein einsames Roadhouse umringt von ein paar einfachen Campingplätzen. Ausreichend um eines meiner Fresspakete entgegen zu nehmen und das hausgemachte Eis zu genießen, jedoch nicht einladend genug um meinen ersten geplanten Ruhetag einzulegen.


Stattdessen machte ich mich gemeinsam mit Analog und Rattlebee auf, den "Middle Fork", den Hauptarm des Gila Canyons, in Angriff zu nehmen.

Happy Trails :-)

Freitag, 9. Mai 2014

Harte Tage im Gila Canyon

Hab zufällig Empfang auf meinem Handy und will nur einen kurzen Zwischenbericht liefern...

Nach Silver City war es nicht weit, bis wir den Gila Fluss erreichten und uns für zumindest kurze Zeit über Wasser keine Gedanken mehr machen mussten.

Jedoch wurde der Canyon, den wir dann auf 80km Strecke durchwanderten, im letzten Jahr von einer Flutwelle zerstört.
Somit bildete pure Wildniss unseren Weg... über Flussschotter, Treibholz, Sand, Schlamm und natürlich der Fluss selbst (über 100 Querungen)!

Am Telefon hab ich leider nur dieses Foto, welches die Situation nicht wirklich wiederspiegelt... 25km pro Tag in diesem Umfeld forderten meine Füße aber ganz schön!


Trotzdem - oder gerade deswegen - eines der schönsten Wandererlebnisse, denn mehr Natur findet man kaum.

Nächsten Freitag gibt's meinen ersten Zero (Ruhetag) in Grants. Dann folgen weitere Berichte und mehr Fotos.

Gute Nacht!
Ein sehr müder Banana Pants

Happy Trails :-)

Freitag, 2. Mai 2014

CDT'14 Fotostrecke #1

Mexico (04/25) - Silver City (05/02)


















Happy Trails :-)

3 Tage voller Unterschiede

Lordsburg (84mi) - Silver City (146mi/233km)

Die Strecke zwischen Lordsburg und Silver City ist nicht gerade lang und trotzdem bot sie mir allerlei Abwechslung.

Den Beginn machte ein ewig langer Marsch durch die bereits bekannt sandige und komplett flache Wüstenlandschaft, jedoch mit dem Unterschied, dass der Wind mir mit voller Wucht ins Gesicht blies... gute 6 Stunden lang!
Da half mir zum ersten Mal meine mitgenommene Musik, um mit stoischem Schritt meinen Weg zu bahnen.

Die Zeit der perfekt gewarteten "Water-Caches" ist vorbei... ab jetzt heißt es Wasser selbst finden und filtern.
Bereits bei meinem ersten Stop an einer Rindertränke kam ich an mein Limit bezüglich des Vertrauens in meinen Wasserfilter. Um mir die Worte zu sparen zwei Fotos...



Es gab dann doch noch einen Wasserhahn mit klarem Wasser an anderer Stelle und das Problem war somit gelöst.
Um früh genug in Silver City beim Postamt zu sein, trennte ich mich vorübergehend von der Gruppe und machte noch ein paar Zusatzmeilen.

Der nächste Tag wurde lang und länger, vor allem da ich ein paar unfreiwillige Umwege machte. Am PCT konnte ich stets  am perfekten Trail dahin trotten und meine Gedanken schweifen lassen... am CDT geht das NICHT!
Glaubt man auf einem Trail zu sein, ist es stattdessen ein Trampelpfad der Rinder. Glaubt man die richtige Schotterstrasse gefunden zu haben, geht man besser querfeldein weiter.
Geht man querfeldein... naja dann ist man sowieso immer auf der Suche :-)
Während ich mein Tagebuch auf mein iPhone gesprochen habe (Danke an Wasabi für die Idee!) verfehlte ich eine Abzweigung und 1km durch dichtes Gestrüpp war die Folge. Als ich begann ein Audiobuch zu suchen versäumte ich die letzte Wasserquelle des Tages und musste wieder gut einen Kilometer zurück den Berg hinauf. Dazwischen musste ich einmal zurück, um meine verlorene Sonnenbrille wieder zu finden und gegen Abend fand ich heraus, dass eine Abkürzung die neue offizielle Route ist und ich weiter 5km umsonst gelaufen bin.
Dafür bekam ich zum ersten Mal richtige Bäume zu sehen, da ich aus der Wüste in die Waldzone aufstieg (ca. ab 2.000m).
Schon komisch... bei uns ist man da oft schon über der Baumgrenze und im Süden von New Mexico fängt da der Wald erst an!

Am Ende des Tages hatte ich meine erste "Marathon-Tag " hinter mich gebracht und wirklich kaputte Knochen.

Heute an Tag drei ging es nur mehr darum die 19km entlang der Interstate 90 zu überwinden... 4 Stunden auf Asphalt entsprechen nicht gerade der Vorstellung vom schönen wandern in der Natur, doch ab und zu bleibt einem auch das nicht erspart.
Es fand gleichzeitig ein Radrennen statt und somit hatte ich wenigsten Abwechslung und lauschte nebenbei Habe Kerkeling's Buch  über den Jakobsweg "Ich bin dann mal weg".

Unterwegs stoppte mich ein Motorrad-Cop mit der Frage, "Ob ich der Fahrer des liegengebliebenen Prius sei und nun zu Fuß in die Stadt gehe?" Ein Groß-Rucksack und Wanderstöcke gehören in New Mexico anscheinend zur Notfallausrüstung eines jeden Autofahrers... zumindest wenn man einen Prius fährt *hehe*
Zwei Radprofis unterhielten sich ebenso über mich, "Hast den gesehen? Das war einer der Verrückten, die nach Kanada marschieren! Völlig irre!"

Jetzt genieße ich den Luxus einer Stadt und freu mich schon auf die Tage im Gila N.F.!
Kann sein, dass ich die nächsten 10 Tage vielleicht gar keinen Empfang haben werde. Also nicht wundern wenn mein nächster Bericht etwas auf sich warten lässt.


Happy Trails :-)