Freitag, 6. Mai 2016

Im Waschsalon...

Etappe 2: Hiawasee - Gatlinburg
9,45% (207 von 2.189 Meilen)

Ich sitz hier grad bei einer Münzwäscherei in der touristischen Hochburg der Smoky Mountains - Gatlinburg, dem Klein Las Vegas von Tennessee - und denke über die letzten Tage nach...
Eigentlich würde ich noch immer behaupten, auf dem AT ist nicht viel los und es schaut immer gleich aus... ja wenn da nicht die letzten zwei Tage gewesen werden... ja wenn...

Fangen wir jedoch beim ersten Highlight dieses Berichts an - Georgia ist geschafft!!! ...nach gerade einmal 79 Meilen! Zumindest in dieser Hinsicht wird sich immer wieder was ändern, denn es sind mit 14 Bundesstaaten ja doch einige mehr, als bei den anderen beiden Trails. Ich möchte ja gar nicht an den PCT zurückdenken... dieses unerträgliche Verlangen nach über 1.600 Meilen Kalifornien endlich hinter sich lassen zu können war schon prägend.

Der Beinamen "Grüner Tunnel" ist keine erfunden Geschichte, kein Eindruck, keine nebensächliche Sache... es ist die pure Wahrheit! Bitte nicht falsch verstehen... diese urwaldähnlichen Wälder und die darin vorkommenden Baum-Kreaturen sind schon beeindruckend, doch wenn sich nie ein Gefühl einstellt, woher man komm und wohin man geht, ist das schon zermürbend.



Ich warte noch immer auf diesen Aha-Moment... er wird schon noch kommen.
So schauten die grünen Hügel an Tag 9 aus ;-)

Einen netten und unerwartet erholsamen Zwischenstopp hatten wir dann beim Outdoor-Zentrum NOC, vor allem bei Kanusportlern beliebt. Ich wurde nach einem guten "Marathon"-Tag mit einem kühlen Fußbad im Fluss belohnt und nebenbei noch mit einer gratis Pizza beschenkt. Anschließend quartierten wir uns in der Herberge ein, nach zwei Nächten mit Starkregen (aus unbestätigten Quellen wird berichtet, dass RB sogar fast weggespült wurde) die reiste Wohltat.
Tags darauf lernten wir noch die besten Freundinnen von Stride kennen und mir wurde ein Packet nachgeliefert, welches es nicht rechtzeitig nach Atlanta geschafft hatte.



Danach ging es vorerst noch gemütlich weiter. Unser Rhythmus ist schon fast auf normalen Thru-hiker Niveau, doch die Höhenmeter sind schon nicht ohne. Der AT ist wahrscheinlich der einzige Wanderweg auf dem man an einem Tag an die 2.500 Höhenmeter zusammenbringt, ohne irgendwo anzukommen... 
Übrigens: das war die Aussicht an Tag 10... bekannt?

RB's Laune wurde etwas auf die Probe gestellt, als wir am Fontana Dam ankamen und der Touristen-Shop mit den Snacks geschlossen hatte und der Cola-Automat zusätzlich keine Scheine akzeptieren wollte... langsam gewöhn ich mich an das "Das ist doch Quark!!!"... hehe!

Anschließend wurde es dann lustig, der "Smoky Mountain Nationalpark" wartete auf uns und nicht nur der, sondern auch ein Wetterumsturz. Direkt nach dem Staudamm ging es los. Ein noch älterer und verwunschener Wald kostete uns ganz schön viel Energie als es ein weiteres Mal hieß "Hinauf, hinauf, hinauf!" und innerhalb von einem Tag wurde aus Wind &Regen, Hagel&Schnee





Eigentlich freute ich mich auf den höchsten Punkt des AT, den Clingman's Dome - einen bei Touristen sehr beliebten Aussichtsturm - zu besteigen. Je später es wurde, desto stärker wurde der Schneefall und RB und ich beschlossen anstelle einer völlig überfüllten Hütte oder unseres völlig verdreckten und durchnäßten Zeltes, die nahe gelegene WC-Anlagen des Besucherzentrums des Turms aufzusuchen.


Die Geschichte für sich selbst ist schon ein Klassiker! Zwei "gestrandete" Wanderer die in einem WC die Nacht verbringen - auch wenn es es im Inneren gerade einmal frostfrei blieb, war es doch wenigsten windstill. Richtig lustig wurde es aber erst als ein Ranger mit Taschenlampe derart heftig an die Tür klopfte, dass diese fast aus den Angeln sprang.
"Sir, please open the door, I have to talk to you face to face!!!"
Dieser Ranger war gekommen, um ein älteres Paar abzuholen, welches von einer Verwandten nicht geholt werden konnte (und sich in den WCs neben unseren einquartiert hatten), da die Zufahrtsstrasse wegen des Schneefalls geschlossen wurde. Er musste sich vergewissern, dass es uns gut geht und sah mich vermummt in meinem Schlafsack, mit meinen Füßen voraus in einem riesigen Mistkübel gesteckt, damit sie keinen direkten Kontakt zum kalten Betonboden haben, als ich ihm freundlich erwiderte..."Wir sind Thru-hiker, die umbedingt Schritt für Schritt eine durchgehende Wanderung absolvieren wollen und nicht "gerettet" werden müssten.
Schmunzelnd kam retour, "You have food, water and a garbage can... I think you are safe!"

Die Nacht war grauenhaft kalt und der Chemiegestank war nicht leicht zu entfernen, doch eine ausgedehnte Runde in der schon erwähnten Münzwäscherei und ordentliches Schruppen aller Ausrüstungsteile mit Eukalyptus-Seife hilft!


Wenn ich also über die letzten Tage so nachdenke, ist doch so manches passiert und ich freu mich schon auf die kommenden Geschichten!

Happy trails :-)

Freitag, 29. April 2016

Stressiger Town-Stop

Etappe 1: Springer Mt. - Hiawasee/Georgia
3,15% (69 von 2.189 Meilen)

Wow... ganz schön viel ist passiert in der ersten Woche am Trail und noch viel mehr während des heutigen erste Zwischenstops in einer Stadt... es ist bereits 22:30 und ich komm erst jetzt zum bloggen... also los geht's :-)

Stride&Hunter waren einfach die Besten und haben RB und mich nicht nur wohl behütet zum "Amicalola State Park" gebracht, sondern uns sogar bis zum Gipfel des Springer Mountain begleitet, um die Aussicht zu genießen und sich ordentlich zu verabschieden. Mit dem Versprechen, bald wieder irgendwo entlang des AT aufzutauchen ließen sie uns schweren Herzens gehen (vor allem Hunter wäre am liebsten gleich mit gewandert) und um 16:15 Uhr lagen plötzlich die ersten Meilen von Georgia vor uns!



Die Zusammenfassung der fünf Tage ist recht einfach... es ist heiß (25-30°C), drückend schwül, es geht ständig auf und ab und man hat einfach keine Ahnung wo man sich befindet oder wohin der Weg einen führt. Der Spitzname "Grüner Tunnel" trifft die ganze Sache wirklich gut.
Wahrscheinlich bin ich vor allem vom CDT-Start in der Wüste von New Mexico eindeutig etwas anderes gewöhnt, wo man einen ganzen Tag auf einen Gipfel am Horizont zusteuert und jenen dann 2 Tage später im "Rückspiegel" noch immer sieht. Mann bekommt einfach ein Gefühl dafür, wohin man läuft.
Am AT geht es rauf und runter, links und recht, man umkreist einen Gipfel und dann einen Anderen... stehts mit der gleichen Aussicht... KEINER! Und wenn doch, dann sieht man bloß andere Hügel voller Wald.
Das ist der Appalachian Trail... herzlich willkommen!







RB's Knöchel hält bestens durch und auch meine Knie spielen mit, soweit so gut. Von den Erlebnissen mit unseren amerikanischen Wanderkollegen werde ich beim nächsten mal berichten, sonst komm ich heut gar nicht mehr ins Bett, aber eine Geschichte bin euch noch schuldig... ich hab so nebenbei noch schnell ein neues Telefon besorgt.
Meine Nummer für die, die es wissen wollen lautet übrigen +1.404.989-9085

Eben habe ich mein altes US-Telefon noch in Atlanta reaktiviert, nur um Tage später festzustellen, dass der Akku nicht mehr wirklich brauchbar ist und sich das Telefon generell aufhängt wenn man in den Ruhemodus schaltet. Jedes Mal kompletter Neustart und trotzdem kein richtiger Empfang. RB nebenher kann sich vor lauter LTE-Empfang gar nicht retten.... grumml :-(

Somit hab ich heute kurzerhand entschlossen mir ein neues iPhone zu kaufen, da es ja ab der 6er-Reihe keine Sperre mehr gibt und ich es somit in Österreich weiterverwenden kann. Der nette Verkäufer im AT&T Laden konnte mir eines von einem Partnergeschäft besorgen, doch da ich nur mit Karte bezahlen konnte, mussten wir direkt zu diesem anderen Geschäft fahren. Wenig später saß ich im privaten Ford Mustang mit 310PS und wurde vom netten AT&T Verkäufer (der sich als Verkaufsleiter entpuppte) schnell einmal eine Stunde in der Gegend herum geführt, nur um anschließend meinen Vertrag bei Verizon (Platzhirsch am Handy Markt in den USA) und nicht bei AT&T zu verlängern. Der Typ war nicht einmal beleidigt!!!... es lebe die amerikanische Freundlichkeit!!! Morgen bring ich den Leuten ein paar Frühstücks-Donuts vorbei :-)

Mittlerweile ist es fast Mitternacht und ich versuch nun mit Hilfe meines neuen iPhone6s (Yippieee) ein WIFI für meinen Laptop zu kreieren, denn wir sind im sprichwörtlich billigsten Motel (ohne WIFI) von Hiawassee abgestiegen, aber nur weil die Besitzer gratis Shuttle-Busse zum Trail anbieten... hehe!

Für RB und mich geht's nun weiter durch den Wald. In bereits 9 Meilen werden wir den ersten Bundesstaat Georgia geschafft haben und uns dann um North Carolina kümmern. Laptop gibt's wieder in ca. 12 Tagen, doch mit meinem neuen Spielzeug logge ich sicher schon früher :-)

Happy trails :-)

Sonntag, 24. April 2016

Back in the USA!

Als mich der Zollbeamte gefragt hat, ob ich in letzter Zeit schon mal in den USA gewesen war, musste ich direkt ein wenig schmunzeln... seit 2012 ist es bloß das VIERTE Mal... hehe!
Obwohl sie es mir diesmal gar nicht so leicht gemacht wurde:
Rattlebee (in Zukunft einfach nur RB genannt) und Stride mussten fast eine Stunde auf mich warten, bis ich es endlich zum Gruppenfoto geschafft hatte...
Zuerst einmal saß RB in Reihe 02 und ich 46 (der Allerletzten), wodurch ich natürlich im Stau stecken blieb. Dann kam ich mit dem automatischen Selbstregistrierungs-Computer in Konflikt, welcher 5 Finger von mir gescannt haben wollte und so stand in der nächsten Schlange an. Bis ich bei meinem Zollbeamten dran kam, benötigte dieser zuvor noch 3 verschieden Dolmetscher, nebenbei wurden zwei Personen abgeführt, ihre Pässe verschwanden in roten Umschlägen und eine türkische Großfamilie trieb alle zur Verzweiflung,... doch bei mir ging dann alles gut.
Bei der Gepäckkontrolle wurde ich dann plötzlich auch noch raus gefischt und mein Pass landete in einem blauen Umschlag... Schock! Meine Sachen wurden peinlich durchsucht, die Dose Kernöl und sonstige Geschenke nicht einmal gesehen und ich durfte endgültig in den USA einreisen!!!

Stride und ihr Ehemann Hunter haben uns aufs Freundlichste empfangen und RB und ich könnten uns keinen besseren Platz für unsere Vorbereitungen wünschen. Unzählige Packerl warteten bereits darauf nach Wochen endlich geöffnet zu werden und ich musste natürlich gleich einmal meine neue Regenausrüstung anprobieren... wirklich fesch würd ich sagen, oder?



Als Höhepunkt der äußerst entspannten Vorbereitung ging es gestern noch zu einem Baseballspiel der Atlanta Braves gegen die New York Mets mit anschließendem Feuerwerk, dass extra nur für uns um einen Tag verschoben wurde... vielleicht war aber auch das Regenwetter vom Vortag dafür ausschlaggebend ;-)

Die Ausrüstung ist kontrolliert, das Zelt geflickt und der nagelneue Rucksack aller überflüssigen Sachen entledigt. Jetzt heißt es nur mehr Essen kaufen und los geht's!!!
RB und ich werden es am Anfang gemütlich angehen und erst einmal abwarten wie sein lädierter Knöchel mit dem AT zurecht kommt. Unser Freund Shutterbug hingegen gibt seit letztem Montag Vollgas, wahrscheinlich mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass wir ihn zu schnell einholen würden... hehe!
Wohin mein Computer geschickt wird, werd ich erst später am Nachmittag überlegen, doch der nächste Blog wird sicher nicht allzu lange auf sich warten lassen... es besteht ja auf immer wieder die Möglichkeit via Smartphone.

Morgen Montag geht nun das Abenteuer AT tatsächlich los (wenn mir das einer vor 4 Jahren am PCT jemand gesagt hätte!!!) und freu mich Euch allen wieder ein paar spannende Geschichten über das Leben eines Weitwanderers zu erzählen.

Happy trails :-)

Mittwoch, 13. April 2016

Ich bin bereit

In nicht einmal zwei Wochen beginnt mein neues Abenteuer und zugleich der dritte und letzte Teil der "Triple Crown"... der Appalachian Trail!

Die letzten Wochen und Monate sind erneut rasant vergangen. Seit Weihnachten läuft ja meine Vorbereitung immer mehr auf die heiße Phase zu, in der ich nun endgültig angekommen bin. Eigentlich ist sie schon vorbei, denn jetzt geht es nur mehr darum, zu Hause alles ordentlich zu hinterlassen... in 9 Tagen sitze ich im Flieger.

In den ersten Monaten dieses Jahres habe ich Tag für Tag im Fitnesscenter schön brav meine Grundausdauer wieder auf das richtige Niveau gehoben und mein Körpergewicht auf das hoffentlich ausreichend niedrige Niveau gesenkt... viel Zeit, die sich aber gelohnt hat.
Den Feinschliff gab es jetzt dann seit Ostern bei traumhaften Ausflügen und Wanderungen in der Natur der schönen Steiermark. Ausgehend vom Grazer Becken mit meinen Standard-Rundwegen über Schöckl und Plabutsch, ging es unter anderem in die von mir so lange vergessene Raabklamm und vor allem auf mehreren Erkundungstouren in die Südoststeiermark.
Den krönenden Abschluss gab es nun gestern bei traumhaftem Frühlingswetter bei einem Marsch von Graz nach Trautmannsdorf... 65km in gut 13 Stunden! Der "Muscle Memory Effect" funktioniert wieder, d.h. meine Füße wissen erneut was sie tun müssen, um unzählige Kilometer zu fressen.
Ich würde sagen, ich bin bereit!!!
Ruine Gösting
Raabklamm
Vulkanland 
Riegersburg
Die kommenden Tage werd ich mich noch durch diverse Abschiedsessen "kämpfen", denn auch die Disziplin des Vielfressens muss wieder geübt werden :-) Schokolade gibt es aber erst in den USA!

Meine neueste Wanderausrüstung wie zum Beispiel ein neuer Rucksack (der alte war doch zu sehr durchgewetzt) wartet auch schon auf mich, nämlich bei Wanderkollegin "Stride" in Atlanta/Georgia. Sie empfängt Rattlebee und mich nächstes Wochenende und wird uns dann am 25. zu unserem Startpunkt bringen. Weiters wird sie meine/unsere Versorgungs-Ansprechperson für den Trail sein und ich werde zum ersten Mal ohne die Familie Kunrath auskommen, da ein Besuch an der Ostküste in Portland ein zu großer Umweg wäre.

Apropos Wanderausrüstung, das Wichtigste hätte ich beinahe vergessen...
2016 wird sicher ein gutes Jahr, denn ich habe wieder meine ach so geliebte gelbe Wanderhose der Marke Montura in der richtigen Größe gefunden!!! Sie war ewig vergriffen, doch plötzlich habe ich doch noch ein einzelnes Exemplar online gefunden... Yippie Yah Yei!!!

Somit steht einem guten Start nichts mehr im Wege und ich freu mich schon aus Georgia, dem ersten meiner 14 Bundesstaaten, zu berichten!

Bis bald und...
Happy trails :-)

Dienstag, 23. Februar 2016

Appalachian Trail 2016

Über fünf Monate sind bereits vergangen, seit ich ein weiteres Mal die kanadische Grenze zu Fuß erreicht habe und es geht mir bestens!!!
Während der letzten zwei Jahre entlang des CDT habe ich unzählige Wanderkollegen stets zu einem Thema befragt... deren Meinung und Erfahrungen über den Appalachian Trail. Nicht ohne Grund habe ich bisher mein Augenmerk auf die pure Wildnis und herausfordernde Einsamkeit entlang des PCT und CDT konzentriert, ich wollte stets das große Natur-Abenteuer!
Doch es gibt nun eben einmal diesen dritten Weg - den Appalachian Trail - das letzte Puzzlestück zur Triple Crown. Ich beschreibe den AT gerne als amerikanischen Jakobsweg, er ist der älteste, bekannteste und überlaufenste Weihwanderweg der USA und man könnte ihn wohl eher als Sozial-Abenteuer angesehen!
Einen Spruch habe ich über die Jahre hinweg immer wieder gehört... "Entweder versucht man einen oder alle drei Wege, keiner gibt sich mit nur zwei zufrieden!" Und ich habe beschlossen, diese Regel zu befolgen!
Am 25. April geht's los... AT ich komme!!!



Die Appalachen sind im Vergleich zu relativ jungen Gebirgsketten wie den Alpen oder den Rocky Mountains, das älteste Gebirge der Welt und heute so weit erodiert, dass nur wenige Gipfel eine Höhe von 1.200m erreichen. Der Clingmans Dome mit seinen 2.025m als höchster Punkt des AT kann nicht wirklich mit den gewaltigen 4.000er-Gipfeln der Sierra Nevada und der Rocky Mountains mithalten, umso mehr überrascht es, dass mich am 3.500km langen Appalachian Trail die meisten Höhenmeter aller Triple Crown Wege erwarten werden. Waren es beim PCT über 140.000m, beim CDT gut 130.000m, werden es beim AT wohl an die 200.000m werden!!! Das konstante Auf und Ab wird in Summe eine wahre Herausforderung für meine Knie werden!

Anstatt Einsamkeit und extrem Landschaften wie Wüsten oder Hochgebirgen, wird der AT - auch "Grüner Tunnel" genannt - durch endlose Waldgebiete und eine illustre Runde an Wanderern geprägt. Unzählige Versorgungsmöglichkeiten  und der enorme Wasservorrat an der Ostküste der USA erlauben es mir jedoch, das Zusatzgewicht für Essen und Wasser markant zu reduzieren, um mein Gesamtgewicht "knieschonend" leicht zu halten.

Die größte Herausforderung wird der Regen und die Insekten werden. Auch wenn ich letztes Jahr am CDT bereits die Rechnung für meinen perfekt Wetter am PCT 2012 präsentiert bekommen habe, wird mich der nervigste Dauerregen, den man sich vorstellen kann, erwarten! Hinzu kommt dann der übliche Albtraum an Moskitos, unterstütz von  einer Plage an Zecken!

Am CDT gab es zuletzt an die 200 Thru-hiker... am AT werden heuer über 3.000 erwartet, hinzu kommt eine große Menge an Sektionswanderen und Tagesausflüglern. Ich werde also nie wirklich alleine unterwegs sein und da hab ich mir gedacht, ich schließ mich gleich mit ein paar guten alten Freunden zusammen.
Gemeinsam mit "Rattlebee" werde ich nun Ende April das Abenteuer AT in Angriff nehmen und versuchen, unseren Freund "Shutterbug", der eine gute Woche vor uns startet, einzuholen. Ziel ist es, dass "The Three Stooges" gemeinsam Ende August am Mount Katahdin als Triple Crowner ankommen!

In 60 Tagen geht es los und die Vorbereitungen laufen auf vollen Touren. Die Achillessehnen und Wadenmuskulatur haben sich perfekt regeneriert und meine Knie bisher jegliche Tests bestanden. Meinem fast täglichen stundenlangen Aufbautraining im Fitnesscenter werden nun die Trainingseinheiten in der Natur folgen, um sich wieder an die Kilometer-Fresserei zu gewöhnen!

Ich halte euch auf dem Laufenden...
Happy trails :-)

Dienstag, 3. November 2015

Das war mein CDT!

Mittlerweile sind gut eineinhalb Monate vergangen, seit ich gemeinsam mit #2 die kanadische Grenze und somit mein großes Ziel - CDT thru hike - erreicht habe und der Alltag hat mich wieder. Im "normalen Leben" anzukommen, ist wahrscheinlich die größte Hürde für jeden Weitwanderer, denn nach Monaten in der amerikanischen Wildnis ist es nicht leicht, das Zelt gegen ein Bett und die unzähligen Bäume gegen parkende Autos zu tauschen. Obwohl das mit dem Bett gar nicht so schwer war ;-)

Blicke ich auf mein heuriges Abenteuer zurück, kann ich nur sagen... einfach genial!


Das Projekt CDT hat mich ja jetzt doch die letzten 2,5 Jahre beschäftigt und mein Leben geprägt. Mit allen Höhen und Tiefen war der Continental Divide Trail mein mit Abstand größtes Abenteuer und ich bin dankbar für jede einzelne Minute. Ich habe viele neue Freunde finden dürfen und bin mir auch selbst wieder ein Stück näher gekommen. Auch wenn mich dieser Trail vor allem körperlich gefordert hat, entscheidet ausschließlich die mentale Stärke über Sieg oder Niederlage! 2014 half mir der CDT aus meinem tiefen Loch, in welches ich nach dem Pacific Crest Trail gefallen bin, heraus zukommen. Dies hat rückblickend mehr Wert als ein erfolgreicher Thru-hike, für den ich letztes Jahr schlussendlich einfach zu wenig Energie hatte. Man kann sich alles schön reden, doch die Kraft, die man für so einen Weitwanderweg benötig, muss bereits vor dem Start vorhanden sein. Heuer gab es für mich keinen Zweifel am Erfolg, auch wenn es mir die Wetterbedingungen nicht leicht gemacht hatten. Mit genügend Gelassenheit überstand ich auch meine einwöchige Ruhepause um meinem Körper genug Erholung vom Schneechaos zu geben und hatte stets nur ein Ziel vor Augen... Kanada!


Es gibt fast keinen Thru-hiker, der nicht mindestens einmal pro Woche einen Punkt erreicht, an dem er eigentlich genug vom Wandern hat. Doch wir tun es dann eben doch nicht... zu groß ist die Befriedigung wenn man es zur nächsten Stadt geschafft hat... und zur nächsten... und zur nächsten.
Die kleinen Dinge sind es, die einen weitertreiben! Für mich war es heuer ein Bild, welches mich stets begleitete. Das Zielfoto meiner Wanderfreunde Stride, Rattlebee und Shutterbug vom letzten Jahr, die mich symbolisch bis zum Grenzstein getragen hatten... heuer lag es an mir, diesen wirklich zu erreichen!


Ebenso bestätigte sich ein weiteres Mal, dass der Zusammenhalt der Wanderer untereinander am CDT um einiges größer ist als am PCT. Ich war weniger als 30% der Tage und Nächte alleine unterwegs - am PCT waren es noch ca. 80% - und konnte meine "soziale Ader" stärken, indem ich sogar mehrmals Hotelzimmer mit Wanderfreunden teilte. Dies liegt eindeutig daran, dass der CDT mit ca. 200 Wanderern pro Jahr um einiges weniger "überfüllt" ist. Vor drei Jahren am PCT waren wir noch ungefährt 800 Thru-hiker, dieses Jahr ließ das Buch "Wild" und der darauf folgende Film die Anzahl auf über 3.500(!) schnellen und zerstörte die idyllische Weitender-Atmosphäre. Hoffentlich wird nie ein Buch über den CDT veröffentlich... außer der Autor kommt aus Österreich ;-)

Nach dieser grandiosen Saison fehlt jetzt nur mehr ein Ziel... der "Appalachian Trail" und die damit verbundene "Tripple Crown". Die Planung läuft bereits fürs nächstes Jahr :)
Davon jedoch später...


Vorerst gibt es einmal eine Winterpause, die jedoch nicht lange andauern wird. Ein weiteres Mal ein riesiges Dankeschön an alle treuen Leser meines Blogs - und niemals vergessen... jeder Schritt zählt und kann ein Leben verändern! Vor dem Trail ist nach dem Trail :)


Happy trails :-)